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Die TextilWirtschaft / Season-Ausgabe (Season 3/03, S. 6-7) berichtet über die Ausbildung bei Engelhorn in Mannheim:

Wer sieht seinen Paten an jedem Werktag und hat alle sechs Monate einen neuen Paten? Simone Roth (20), Arman Kasbar (23) und Florian Spindler (20) - und mit ihnen alle anderen Auszubildenden bei Engelhorn in der Mannheimer City. Das große Mode- und Sporthandelsunternehmen stellt jedem Azubi in jeder Abteilung, die er durchläuft, einen Paten als persönlichen Berater und Ansprechpartner zu Seite. Arman, er ist schon im zweiten Lehrjahr, sah sich damit gut durch die ersten Monate geleitet. "Gerade am Anfang ist der Pate sehr wichtig." Die Patenschaft durch erfahrene Mitarbeiter ist nur ein Baustein im Ausbildungsprogramm, mit dem sich das Familienunternehmen Engelhorn qualifizierten Nachwuchs heranzieht. Simone, Arman und Florian haben einen festen Stundenplan, der sie richtig fordert, es gibt keinen Leerlauf. Zusätzlich zur praktischen und zur theoretischen externen Ausbildung - letzteres sind Berufsschule für die Azubis zum Einzelhandelskaufmann wie Florian oder Blockunterricht im Bildungszentrum des Einzelhandels in Springe (pro Quartal zwei Wochen) für die Azubis zum Handelsassistenten wie Simone und Arman - gibt es hausinterne Schulungen (speziell in Warenkunde), und dann sind noch als "Hausaufgaben" vier Monatsberichte zu machen, in denen das erlernte Fachwissen und die Erfahrungen mit Paten und der Arbeit in der Abteilung dokumentiert werden. Die erste verwirrende Zeit als Azubis liegt hinter dem Trio - war alles so wie vorgestellt oder ganz anders? Simone startete in der Abteilung Damenhosen. Da werde ich eben Hosen verkaufen, dachte sie realistisch. Aber sie machte viel mehr - Umtauschen, Versenden, Warenbestand prüfen, Fragen von Kunden beantworten. "Ich war positiv überrascht, was so alles anfällt." Arman dagegen hatte sich vorgestellt, gleich hinter den Kulissen der Abteilung gucken zu können. "Dann hat man mir aber erklärt, dass der Verkauf die Nummer eins ist". Und Florian, der erfahrene Snowboarder, der im Sporthaus lernt, war stolz auf sein Fachwissen. Bis er merkte: "Ich muss noch viel lernen". Verkaufen ist das Wichtigste - das wurde den Azubis schon vor Lehrantritt mitgeteilt. Mit dem Lehrvertrag kam eine Liste mit den Prinzipien für den Umgang mit Kunden bei Engelhorn. Die drei zitierten munter aus den "zehn Geboten", so werden die Serviceleitlinien bei Engelhorn salopp genannt: Der Kunde ist bei uns nicht König, er ist Kaiser. Alle Kunden werden gleich behandelt. Kommt ein Kunde, hört jedes Privatgespräch auf. Diese Sätze fallen ihnen auf Anhieb ein. Haben sie das Feeling für die Kunden schon drauf? Simone meint, sie sei jetzt schon "feinfühliger, was die Leute betrifft". Arman startete in der HAKA bei Hemden und Krawatten. "Das war zuerst ein wenig steif, aber bald hat's mir gefallen"; vor allem das Erfolgserlebnis, ältere Herren gut beraten zu haben. Hemd und Krawatte hat er gern getragen, aber jetzt im Trendhouse ist ihm der lässige Look doch lieber. Florian hat kein Modeproblem im Job, denn im Sporthaus gibt es eine einheitliche Team-Kleidung - abwechselnd im Wochenrhythmus werden rote und grüne Polos getragen, dabei sind Mitarbeiter und Führungskräfte an den unterschiedlichen Shirt-Farben zu erkennen. Den allgemeinen Dresscode des Hauses (gepflegtes Aussehen, keine gewagten Haarschnitte, kein auffälliges Piercing) können die jungen Leute problemlos akzeptieren. Den haben sie so schon vorher befolgt, und der gab ihnen die Chance für die Ausbildung. Denn, "wer bei Engelhorn lernen will, braucht mehr als gute Noten, auch Erscheinungsbild und Persönlichkeit sind wichtige Kriterien", das wurde ihnen bei den Einstellungstests klar. Die drei Azubis sind zufrieden, wie gut man sich um sie kümmert, wenn sie Fragen und Anliegen haben. Simone: "Es klappt vielleicht nicht immer gleich, aber es klappt immer". Florian hat gemerkt, dass Eigeninitiative gefragt ist; "In der Abteilung wird es gern gesehen, wenn wir Vorschläge für Verbesserungen machten". Arman fühlt sich theoretisch schon richtig fit, hat er doch schon vor gestandenen Mitarbeitern mit Wissen brillieren können. Kein Wunder, meint er, denn "die Azubis sind die bestgeschulten Mitarbeiter des Hauses". Von Vorteil finden es die Azubis, dass sie auch zum Thema Einkauf direkte Informationen bekommen können, denn bei Engelhorn gibt es keinen Zentraleinkauf, die einzelnen Abteilungen sind zuständig. "So können wir zum Beispiel vom Abteilungsleiter erfahren: Warum wurde die Ware gekauft? Liegt es an der Ware oder an der Präsentation, wenn sie sich schwer abverkauft? Undsoweiter. Wir können auch die Verkaufslisten einsehen. Das ist eine gute Schulung über Ware", sagt Arman. Azubis dürfen auch ‚Fehlzettel', das sind Infos über Ware, die Kunden vergeblich nachgefragt hat, ausfüllen, erklärt Florian. Auch über Projektarbeit sollen die Auszubildenden lernen, eigenverantwortlich zu arbeiten. Arman war dabei, als neun Azubis zum Handelsassistenten und zum Schauwerbegestalter den Stand zur jüngsten Azubi-Messe in Mannheim gestaltet haben. Arman und Florian haben so richtig erst in der Berufsschule erfahren, dass sie eine gute Ausbildung bekommen. Manch Mitschüler dort bekomme weniger geboten, keine interne Schulungen oder keine Bezugsperson. "Die müssen ins kalte Wasser springen." Arman und Simone haben Abitur, gibt es kein bisschen Neid auf die akademische Freizeit, die sie verpassen? Arman, der vor der Lehre ein Semester Betriebswirtschaftslehre studiert hat, dann aber "doch lieber was Praktisches" machen wollte, kam kürzlich mit Ex-Kommilitonen zusammen. "Die haben schon ein- oder zweimal das Studienfach gewechselt, sind richtig orientierungslos. Da wusste ich wieder: Ich habe die richtige Entscheidung getroffen." Auch Simone ist froh, dass sie eine Ausbildung macht: "Im Handel ist eine gute Ausbildung besser als ein Studium, weil man hier von ‚klein auf' miterlebt, was im Verkauf gefordert wird. Das macht stark für später." Gibt es also keinen Wermutstropfen?"Die Arbeitszeit", stellt Arman fest, "ist das einzig Schlechte im Einzelhandel". Doch noch als Simone, die Frohnatur, kontert ("Es gibt viel schlimmere Arbeitszeiten."), spricht er schon von den positiven Seiten: "Der Handel bietet mehr und schnellere Aufstiegsmöglichkeiten als die Industrie." Die möchte er nutzen.

Ansprechpartner: Norbert Hitter

 
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