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Die TextilWirtschaft / Season-Ausgabe (Season 3/03, S. 8) berichtet über die Bedeutung von Weiterbildung für Karriere und Praxis im Einzelhandel:

Manche Redensarten sind alt - und dennoch aktuell. "Man lernt nie aus" ist so eine. Verkäufer im Textileinzelhandel müssen sich alleine schon durch den modischen Wechsel in den Sortimenten häufig mit Veränderungen beschäftigen und immer wieder Neues, etwa über Stoffe und Schnittformen, dazulernen. In vielen Unternehmen sind Warenkunde und Verkäuferschulungen deshalb fester Bestandteil von Weiterbildungsprogrammen für die Mitarbeiter im Verkauf. Wer sich weiter qualifizieren will, wer Aufgaben über das reine Verkaufen hinaus oder eine Führungsrolle übernehmen möchte, kommt an Schulungen mit wirtschaftlichen Inhalten oder am Kommunikationstraining nicht vorbei. Aber auch der Umkehrschluss gilt, wie unsere SEASON-Umfrage unter jungen Führungskräften im Verkauf belegt: Wer Weiterbildungsangebote intensiv nutzt, hat im Einzelhandel gute Chancen auch tatsächlich Karriere zu machen, großes Engagement in der Praxis natürlich vorausgesetzt. Ulrike Kögler ist das beste Beispiel dafür. Die heute 37-jährige hat sich nach ihrer Ausbildung zur Kauffrau im Einzelhandel von der Verkäuferin bis zur Leiterin einer Filiale mit 40 Mitarbeitern emporgearbeitet. Seit knapp drei Jahren führt sie das Geschäft als Heimtextil-, Betten- und Wäsche-Spezialisten Betten Rid in der Frankfurter Innenstadt. Am Anfang ihrer Karriere arbeitete Ulrike Kögler einige Zeit in der Hosenabteilung bei Ammerschläger in Frankfurt, dann wechselte sie zu Betten Rid, wurde rasch Nachtwäsche-Einkäuferin, Abteilungsleiterin, stellvertretende Geschäftsleiterin. Sie habe immer signalisiert, dass sie weiterkommen wollte, begründet sie ihren Aufstieg. Doch sie hat auch viel an sich gearbeitet, war offen für alles Neue in der Praxis und Theorie. "Ich habe nie an alten Zöpfen festgehalten". Das Lernen ist auch jetzt für sie nicht vorbei. Im vergangenen Jahr hat Ulrike Kögler ein Vier-Wochen-Seminar der Münchner Günther-Rid-Stiftung absolviert. Vier Mal je eine Woche, verteilt über mehrere Monate, hat sie sich mit Kollegen aus anderen Handelsunternehmen im Arabella-Hotel am Spitzingsee getroffen. Dort hat sie Vorlesungen zu Themen wie "Strategische Basisentscheidungen", "Marketing", "Personalstrategie" und "Handelscontrolling" gehört, aber auch viel über die Arbeit der Kollegen aus anderen Branchen erfahren und "über den Tellerrand geblickt". Doch Weiterbildung hat auch ihren Blick für die eigene Persönlichkeit geschärft. In einem Seminar sah sich Ulrike Kögler plötzlich vor die Aufgabe gestellt, zusammen mit anderen einen Turm in einer vorgegeben Zeit zu errichten. Weil jede der aufstrebenden Führungspersönlichkeiten den Turm natürlich am liebsten alleine errichtet hätte, entstand viel Unruhe im Team. Es dauerte eine Weile, bis die Aufgabenverteilung geklärt war. Heute profitiert Ulrike Kögler immer noch von dieser Erfahrung, etwa wenn sie im Team Projekte für das gesamte Unternehmen entwickelt. In Seminaren hat sie auch gelernt, wie sie als Vorgesetzte mit ihren Mitarbeitern am besten - also offen - kommunizieren, aber auch mal Kritik äußern kann. Manches hatte sie schon vorher instinktiv richtig gemacht - und so die Bestätigung erhalten, dass sie längst auf dem richtigen Weg war. Weniger leicht als die Mitarbeiterführung tat sich Kögler freilich beim Seminarthema "Arbeiten mit Kennzahlen". Sie sei eben ein richtiger Verkäufer, sagt die junge Frau und lacht. Doch aus ihrer täglichen Arbeit sind EDV-Listen mit betriebswirtschaftlichen Kennziffern und der "geliebte Computer" gar nicht wegzudenken. Dass sie längst routiniert und damit umgehen kann, verdanke sie auch ihrer Vorgesetzten, die ihr viel erklärt habe, sagt Ulrike Kögler. Wie wichtig die Unterstützung durch Vorgesetzte ist, wenn man sich weiter entwicklen möchte, betont auch Nursen Kurtoglu (27). Sie hat bei Engelhorn in Mannheim die internen Weiterbildungsprogramme "Modul 1" und "Modul 2" absolviert und ist von der Verkäuferin zur Verkaufsassistentin und dann zur Substitutin aufgestiegen: "Teilweise hatten wir jede Woche Kurs, das war wirklich Stress." War sie einmal müde, wenn wieder Unterricht anstand, oder war im Verkauf gerade viel zu tun, dann habe ihr Chef sie angehalten, den Termin nicht zu versäumen. "Geh, das ist wichtig für Dich. Die Arbeit kann warten", habe er gesagt, erzählt Kurtoglu. In der Weiterbildung hat sie viel über Hintergründe ihrer Arbeit und die Abläufe im Unternehmen erfahren. Und sie hat viele neue Kompetenzen für die Praxis erworben: etwa wie man Ware besonders attraktiv präsentiert, wie man Personalgespräche führt oder Personaleinsatzplanung macht. Doch auch mit theoretischen Inhalten musste sie sich auseinandersetzen. Das war nicht einfach, denn zum Zeitpunkt, als die in die Weiterbildung ging, lag ihre Schulzeit bereits "fast zehn Jahre" zurück. Sie habe sich sehr schwer getan mit dem Lernen, gibt Kurtoglu freimütig zu: "Ich hatte große Probleme damit, mich wieder hinsetzen zu müssen." Auch Michael Etienne Schäfer (26) ist derzeit Substitut bei Engelhorn, er ist in diese Position jedoch über eine dreijährige Handelsassistenten-Ausbildung für Abiturienten gelangt. Nachdem er das Engelhorn-Programm Modul 2 für Nachwuchsführungskräfte durchlaufen hat, absolviert er jetzt noch eine berufsbegleitendes Studium zum Betriebswirt (IHK) am Bildungszentrum des Einzelhandels (BZE) im niedersächsischen Springe. Er möchte rasch Abteilungsleiter werden, "Verantwortung übernehmen" Besonders hilfreich für seine Karriere fand er die konkreten Tipps eines externen Personaltrainers, den Engelhorn für die Weiterbildung engagiert hatte. Er hat ihm ganz konkret aufgezeigt, wie er Mitarbeiter, die abblocken, wieder motivieren kann. Hat ihm empfohlen, direkt auf die Leute zuzugehen und Probleme offen anzusprechen. "Er hat aber auch mal gesagt: Wenn Du dich so und so verhältst, brauchst du dich nicht über die Reaktionen zu wundern", berichtet Schäfer. "Das war ein gutes Seminar, da wurden Pfade aufgezeigt." Einen weiteren Abschluss hat sich auch Katrin Burger (32) berufsbegleitend erworben. Die Abteilungsleiterin für Young Fashion und Sportswaer bei Boodevaaar-Moden im bayrischen Wolfratshausen hat im vergangenen Jahr an der Lehranstalt des deutschen Textileinzelhandels (LDT) in Nagold ihren "Bekleidungsfachwirt" LDT gemacht. In zehn Wochen Blockunterricht, verteilt über einen Zeitraum von 13 Monaten, hat die Einzelhandelskauffrau ihr Wissen in Betriebswirtschaftslehre, Marketing, Personalwesen, Recht und EDV vertieft. "Man musste sehr viel lernen, denn jedes Fach wird mit einer Klausur abgeschlossen. Und am Schluss findet noch eine mündliche Prüfung statt, in der Stoff aus 13 Monaten abgefragt wird", erzählt Katrin Burger. In Nagold hat sie dafür manche "Nachtschicht" eingelegt. Gleichzeitig hat sie es geschafft, in dieser Zeit noch zusätzlich ihren Ausbildereignungsschein in München zu machen - nach Geschäftsschluss. Die Strapazen haben sich gelohnt, weiß Katrin Burger heute: "Man stößt teilweise schon an seine Grenzen, das bringt einen auf jeden Fall ein Stück nach vorne." Thorsten Schmitz (25) legt keine Nachtschichten ein, er lernt morgens. Jeden Tag punkt sechs Uhr klingelt der Wecker. Um neun öffnet die Aschaffenburger Filiale von Peek & Cloppenburg, die Schmitz gemeinsam mit einer Kollegin führt. Zu diesem Zeitpunkt hat der Store Manager schon ein, zwei Stunden zu Hause am Schreibtisch hinter sich. Wie Engelhorn-Mitarbeiter Schäfer absolviert auch Schmitz zurzeit die berufsbegleitende Betriebswirt-Ausbildung in Springe. Im Juni steht die Zwischenprüfung an. Dann müssen Schmitz und Schäfer den Stoff in Fächern wie Recht und Wirtschaft parat haben, den sie im Blockunterricht in Springe und zu Hause gelernt haben. Vordergründig höre sich das theoretisch an, doch die Ausbildung bietet viel Bezug zur Praxis, erklärt Schmitz: Mit Arbeitsrecht zum Beispiel habe er fast täglich zu tun. Im September steht die nächste Prüfung an, im nächsten Frühjahr der Abschluss. Doch Schmitz hat sich längst Gedanken darüber gemacht, wie er sich weiterentwickeln kann und bei der IHK Informationsunterlagen über neue Kurse angefordert. Man lernt nie aus, ist auch seine Devise, die sich während des Lernens noch gefestigt hat. Schmitz: "Wenn ich mir heute Fachbücher anschaue, mit denen ich noch vor wenigen Jahren gelernt habe, dann stelle ich manchmal fest, dass die Inhalte längst überholt sind."

Ansprechpartner: Norbert Hitter

 
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