|
Die Süddeutsche Zeitung (Rubrik Job
und Karriere vom 7.2.04) berichtet über das Tätigkeitsfeld eines
TeleCoaches:
Ein Beruf mit Zukunft: Der Tele-Coach unterstützt
Fernlernende. (von Chris Löwer)
Sie ist jung, sie ist Mutter, und sie will den Meister machen. Friseurin
Benian Gürsoy hat wenig Zeit, aber die nutzt sie: abends oder frühmorgens
vor der Arbeit wirft sie ihren Rechner an und lernt für den vierten
Teil der Meisterprüfung. Möglich macht das die Handwerkskammer
Aachen über ein E-Learning-Programm, durch das man sich von zu Hause
aus auf die Prüfung vorbereiten kann.
Online dabei
Klar, dass es dabei manchmal hakt: ander Motivation oder an der Technik.
Dann hilft Theo Goertz. Er ist einer von drei Tele-Coaches der Handwerkskammer.
"Wir sind online immer ansprechbar, halten Telekonferenzen ab und
unterstützen bei den Aufgaben", sagt der ehemalige Mathematik-
und Physiklehrer. Vorab klopft er in Einzelgesprächen die Lerngewohnheiten
und Zeitbudgets der Kandidaten ab, so dass er ein passendes Programm zusammenstellen
kann und die Lerner nicht gleich wegen zu hoher Anforderungen schlapp
machen.
Der Kontakt bleibt anschließend über Kopfhörer und Web-Kamera
einigermaßen leibhaftig erhalten. Täglich kommuniziert Theo
Goertz mit seinen Schützlingen, schreibt Rundbriefe, prüft Foren
und erklärt, wie man die gut gemeinte Firewall so einstellt, dass
sie nicht auch die Aufgaben abblockt. Vom Augenoptiker bis zum Zahntechniker
können sich die Gesellen so auf die allgemeineren Teile der Meisterprüfung
vorbereiten.
Immer und überall
"Wissenserwerb on demand" lautet seit einigen Jahren das Schlagwort
für flexible und passgenaue Bildungsangebote, ohne festen Ort und
ohne feste Zeiten. Doch nach einer ersten Euphorie geriet das E-Learning
in Verruf. "Kein Wunder, denn anfangs glaubte man, auf jegliche Betreuung
verzichten zu können", sagt Thomas Jechle, Studienleiter der
Teleakademie der Fachhochschule Furtwangen. Er hat beobachtet, dass E-Learning
großen Anklang findet - sofern es betreut stattfindet.
Daher schlägt nun die Stunde der Tele-Coaches und Tutoren. Sie arbeiten
angestellt in Personalabteilungen von Unternehmen und Verbänden oder
als freie Trainer. Sie müssen sich in ihrem Fach auskennen, aber
nicht zwingend einen Uni-Abschluss vorweisen. Eine Qualifizierung als
Tele-Coach, wie sie manche Hochschulen und Akademien anbieten, ist gern
gesehen. Versiert im Internet und gewandt am Computer muss ein Tele-Coach
unbedingt sein, und auch didaktische Fähigkeiten sollte er mitbringen.
Sehr gut sind Kräfte mit Berufserfahrung im Schulungs- und Trainingsbereich
"Sehr gut sind Kräfte mit Berufserfahrung im Schulungs- und
Trainingsbereich", sagt Thekla Krammer, Leiterin der Technologie-Transfer-Stelle
des Bildungszentrums des Einzelhandels Niedersachsen (BZE). Die Diplom-Kauffrau
arbeitet seit anderthalb Jahren als Tele-Coach und hat den internetgestützten
Fernkurs zum Handelsfachwirt entwickelt. "Neben einigen Präsenzphasen
wird am Bildschirm zu Hause oder in der Firma gelernt. Das spart Kosten
und Zeit", sagt Krammer, die sich selbst mit einem von der Uni Paderborn
erarbeiteten Lernprogramm in etwa 200 Stunden zum Tele-Coach ausbilden
ließ. Ihre Prüfung hat sie via Internet abgelegt. So weit ist
man beim BZE noch nicht.
Hübscher Einspareffekt
Nach einer Umfrage des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) nutzen
derzeit 4,5 Prozent der traditionellen Fernlehrinstitute netzgestütztes
Lernen. Gut 60 Prozent wollen in den kommenden drei Jahren nachziehen.
Nicht nur bei den EDV-Kursen, sondern vor allem bei kaufmännischen
und gewerblich-technischen Inhalten. "Hinzu kommen Unternehmen und
freie Trainer, die auf betreutes Online-Lernen setzen", sagt Jechle.
Nach Banken und Versicherungen engagierten sich nun Dienstleister auf
breiter Front. "Daher rechnen wir mit einer starken Nachfrage nach
Fachkräften im Tele-Coaching." Schätzungen zufolge gibt
es derzeit etwa 5000 ausgebildete Tele-Coaches. Jechle geht davon aus,
dass sich diese Zahl innerhalb der nächsten drei Jahre verzehnfachen
wird - auch, weil sich die Personalabteilungen davon einen hübschen
Einspareffekt erhoffen. Allerdings, räumt Thekla Krammer ein, darf
man die Kompetenzen von Tele-Coaches nicht überbewerten: "Die
Methode ist eine zusätzliche Möglichkeit, die Präsenzunterricht
aber nie völlig ersetzen wird." Das glaubt auch Thomas Jechle:
"Wenn es um die Vermittlung von Soft Skills geht, hilft auch die
beste Online-Betreuung nichts. Wie soll ein Rhetorik- oder Präsentations-Training
online ablaufen? Man darf jetzt nicht krampfhaft versuchen, alles durch
E-Learning ersetzen zu wollen.
Ansprechpartnerin: Frau Thekla Krammer
|